Auch wenn ich kaum glaube, dass es irgend jemanden der Millionen potiellen Leser auf der Welt interessiert, aber: Mein Rad ist komplett. Daher ist es Zeit, die Kiste zu öffnen.
Wie erwartet waren der Lenker quergestellt und die Pedale demontiert, aber Rest des Fahrrades sofort fahrbereit. Dennoch habe ich erstmal noch ein paar recycelte Teile meines alten Fahrrades umgebaut: Fahrradschloss, Flaschenhalter, Luftpumpe, eine zweite Klingel. Wieder einmal erwartungsgemäß passte der Lowrider bzw. dessen Schellen nicht, da die Federgabel einen größeren Durchmesser hat. Weniger erwartet war dagegen der unterschiedliche Durchmesser meiner alten und neuen Sattelstütze, sodass ich unerwarteterweise eine neue Federsattelstütze benötige.
Erwartungsvoll bin ich dann ersteinmal in das nächste Fahradgeschäft, um ein paar Kleinigkeiten zu kaufen: Einen Luftpumpenadapter für französische Ventile, einen Langsamspanner anstelle des Schnellspanners für das Vorderrad, eine Federsattelstütze und eine Lösung für das Lowriderschellenproblem. Wie erwartet habe ich dann ein haben-wir-nicht sowie einen Vortrag zum Thema “Lowrider an Federgabel sind böse” erhalten. Eher unerwartet war dagegen, das sie keine gefederten Sattelstützen haben, aber wenistens wurde dann eine weitere Erwartung erfüllt: Man weiß selbstverständlich auch nicht, wo man so etwas in Stockholm bekommen kann. Daraufhin habe ich ersteinmal den Baumarkt auf den Kopf gestellt und nach allem gesucht, was irgendwie nach Schellen aussieht. Während die Abteilung mit den Beschlägen und sonstigen Stahlteilen nur sehr massive Lösungen hatte, wurde ich in der Bootsabeilung schon fast fündig. Dort beeindruckte vor allem die akutelle Kollektion an Ankern, wobei ich nciht glaube, dass der Standard-Bauhaus-Einkaufswagen in der Lage ist, diese bis zur Kasse zu transportieren. Nicht nur weil Anker auf Radtouren noch nutzloser sind als Paddel und Schwimmwesten, habe ich mich am Ende für ein Produkt aus der Sanitärabteilung entschieden: Einfache billige gebogene Kupferbleche mit zwei Löchern im Dreierpack, dazu etwas Isolierband zum Zwischenlegen sowie ein paar passende Inbusschrauben.
Wie nun erwartet, war es möglich, den Lowrider zu montieren. Nur leider wartete ich weiterhin auf ein Paket mit Fahrradtaschen und vor allem einem zweiten Schloss, welches ich eigentlich bereits am Montag erwart habe, nachdem der Sendungsstatus auf “an der zuständigen Niederlassung eingetroffen” bzw. “in Zustellung” wechselte. Nach vier weiteren Tagen erwartungsvollen Wartens dann endlich der lang erwartete Anruf der Warenahme.
Wie der wahrscheinlich mittlerweile recht gelangweilte Leser erwartet, habe ich die Wartetage nicht ungenutzt gelassen, auf Federsattelstützenjagt zu gegen, aber entweder wollen schwedische Fahrradhändler nichts verkaufen, oder sie sind zu heidnisch: “We do not sell anything in which we do not believe in.” Nun ja, mir reicht es, wenn ich glaube, das eine solche Sattelstütze toll ist. Letztenendes habe ich dennoch einen gläubigen Händler gefunden und mein Rad ist komplett. Und wie erwartet ist das vorerst das Ende vom Lied.